Gorilla Trekking Uganda – Ein Erfahrungsbericht und Tipps
Es ist der Traum fast jeden Naturliebhabers und Afrikareisenden einmal den majestätischen Bergorillas, Auge in Auge gegenüberzustehen. So ein Erlebnis ist viel mehr als „nur“ reine Tierbeobachtung. Wenn man in die Augen dieser sanften Riesen schaut, erkennt man sehr viel von uns Menschen. Mehr als 98% unserer Gene sind mit denen der Gorillas identisch und man bekommt ein ganz erhabenes Gefühl, wenn man diesen wunderbaren Geschöpfen aus kurzer Entfernung gegenübersteht.
Oftmals kommen Sie bis auf wenige Zentimeter heran oder berühren den Besucher sogar. Viele können dieses Erlebnis oft nicht einmal in Worte fassen.
Wer eine Safari in Uganda oder eine Rundreise durch das Land plant, bei dem darf ein Besuch bei den Primaten nicht fehlen. Neben dem Schimpansen-Trekking ist der Besuch bei den Gorillas fast schon Pflicht, denn ...
...in Uganda leben mehr als die Hälfte der weltweit existierenden Bergorillas.
Hier eine kurze Übersicht des Artikels:
- Die Top 4 Plätze für das Gorilla Trekking im Bwindi
- Anreise zum Gorilla Trekking
- Der große Tag – Ablauf des Gorilla Trekkings
- Das Gorilla Zertifikat
- Gorilla Trecking Kosten – Was sind die Kosten für die Gorilla Permits
- Mindestalter Gorilla Trekking – Uganda und Ruanda
- Gorilla Habituierung
Die Top 4 Plätze für das Gorilla Trekking im Bwindi
Es gibt in Uganda grundsätzlich fünf verschiedene Ausgangspunkte für das Trekking. Dies ist besonders bei der Planung wichtig, um die richtige Unterkunft in der Nähe zu wählen.
Vier Stationen liegen direkt im Bwindi Nationalpark. Der bekannteste Ausgangspunkt ist Buhoma, wo man auch die meisten Unterkünfte findet und welcher sehr gut zu erreichen ist. Daneben gibt es noch Nkuringo, Rushaga und Ruhija. Rushaga eignet sich für jene sehr gut, welche am Tag nach dem Trekking in einem Tag zurück nach Entebbe oder Kampala fahren möchten. Die fünfte Station liegt im benachbarten Mgahinga Gorilla Nationalpark.
Achten Sie bei der Planung zwingend darauf, für welches Gebiet das Permit ausgestellt ist, damit die Unterkunft passend gewählt wird.
Anreise zum Gorilla Trekking
Man erreicht die Stationen meist während einer Rundreise - etwa im Anschluss an den Queen Elisabeth Nationalpark oder auch von Ruanda aus. Für Gäste mit wenig Zeit oder in Kombination mit anderen afrikanischen Ländern bietet sich auch ein Inlandsflug von Entebbe an.
Schon der Weg in das Gorilla Gebiet ist abenteuerlich. Langsam verändert sich die Landschaft und wird hügliger. An den steilen Hängen haben die Einheimischen bis hin zu den Gipfeln terrassenförmige Felder angelegt. In kleinen Zelten übernachten die Bauern hier, um nicht täglich den beschwerlichen Weg auf sich nehmen zu müssen. Je näher man dem Bwindi Nationalpark kommt desto höher werden die Berge. In Serpentinen schlängeln sich die Wege um die Berge.
Wir sind froh hier einen erfahrenen Fahrer an unserer Seite zu haben. Auf der Seite des Weges geht es teils steil bergab. Vor uns hat ein alter Transporter eine Panne. Der Weg ist an dieser Stelle vom Regen unterspült und der Transporter kann weder vor noch zurück. Der rutschige und durch die Feuchtigkeit schmierig gewordene Untergrund verhindert ein Weiterkommen des Transporters. Gekonnt umfährt unser Guide das Fahrzeug.
Langsam werden die Felder auf den Bergen immer weniger und vom dichten Regenwald abgelöst. Spätestens jetzt merkt man, dass man sich im Gebiet der Berggorillas befindet. Der aufsteigende Nebel aus dem Dschungel versprüht eine ganz außergewöhnliche Stimmung und bietet herrliche Fotomotive. Am späten Nachmittag kommen wir schließlich bei unserer Unterkunft an. Bilder in der Lodge zeugen davon, dass die Gorillas auch gerne einmal direkt bei der Lodge vorbeischauen. So etwas wäre natürlich auch für uns ein unvergessliches Erlebnis. Unser Guide erklärt uns, dass sich in der Nähe der einzelnen Gorilla Familien immer Ranger aufhalten. Einerseits zu ihrem Schutz und andererseits, um immer genau informiert zu sein wohin sich die Gorilla Gruppe bewegt.
Der große Tag – Ablauf des Gorilla Trekkings
Am Morgen gegen etwas 06:00 Uhr stehen wir auf und treffen uns zum Frühstück. Anschließend werden die notwendigen Sachen gepackt. (zur Packliste gleich mehr). Um etwa 07.00 Uhr begeben wir uns zum Ausgangspunkt für das Trekking. Der letzte Toilettengang wird erledigt und dann treffen sich alle Teilnehmer. Für die Besucher gibt es ein kleines Informationszentrum mit Sitzgelegenheiten und Informationstafeln. Draußen warten an diesem Tag schon etwa 15 Träger.
Nun lernen wir unseren Gorilla Guide Catherine kennen. Zusammen bekommen wir eine 15-minütige Einweisung mit Verhaltensregeln und Erklärungen zum Ablauf. Schlussendlich wird jeder Teilnehmer gefragt ob er sich auch gesund fühlt, denn
Achtung:
Nur wenn man fit und gesund ist darf man die Gorillas auch besuchen. Wer beispielsweise eine starke Erkältung hat, dem wird der Besuch verwehrt, um die Gorillas nicht mit menschlichen Krankheiten zu gefährden.
Nachdem die Formalitäten geklärt sind, werden die Gruppen eingeteilt. Die Teilnehmer können sich noch adjustieren. Hier gilt das Zwiebelschalenprinzip.
Packliste bevor es los geht
Bevor wir nun endlich losstarten noch einige Tipps zur Ausstattung. Was benötigt man?
Ganz wichtig ist das Permit (wird vom Guide verwaltet) und ganz wichtig - der Reisepass! Bitte vergessen Sie diesen nicht, in der Aufregung!
Kleidung:
Wie schon erwähnt hier empfehlen sich mehrere Schichten. Lange Wanderhose, T-Shirt, Pullover, Regenjacke (ev. Regenhose, kein Muss) und vor allem gute eingelaufene Wanderschuhe / Trekkingschuhe. Wichtig sind auch Gamaschen oder zumindest lange Socken, damit man die Hose in die Socken reinstecken kann – das schütz vor den lästigen und schmerzhaften Safariameisen und sonstigen Kleintierchen, welche gerne das Hosenbein hochklettern im Regenwald.
Eine Kopfbedeckung (Kappe oder ein Hut) sind ebenfalls zu empfehlen. Gerade morgens ist es teilweise noch kühl. Je nach Wetterlage muss die Regenjacke oder Regenhose natürlich noch nicht übergezogen werden. Man darf allerdings nicht vergessen, dass man sich hier im Regenwald befindet und es dort ganz schön feucht werden kann bzw. sehr warm / schwül.
Weitere Ausrüstung:
- Wanderstöcke können nach Bedarf (sind sehr hilfreich) kostenlos vor Ort geliehen werden.
- Moskitospray / Mückenschutzmittel
- Sonnenschutzmittel
- Viel Wasser – das Auf- und Abwandern ist anstrengend und genügend Wasser ist ein absolutes Muss
- Und natürlich die Kamera mit Ersatz-Akku und Speicherkarte nicht vergessen
Es geht los….
Wer möchte kann sich für rund 20 USD noch die Dienste eines Trägers sichern. Ich selbst dachte zu Beginn, dies sei eigentlich nicht notwendig. Jedoch wollte ich die Einheimischen unterstützen und wählte so George als meinen Träger aus. Es war extrem gut investiertes Geld! Nicht wegen des Tragens des Rucksackes, welcher ohnehin nur wenige Kilogramm wog. Nein, seine Hilfe beim Aufsteigen und Überqueren von Bächen war eine enorme Hilfe. Stets reichte er mir seinen helfenden Arm, bog Dornenbüsche und Brennnesseln zur Seite und achtete auf meinen Rucksack während wir bei den Gorillas waren. Aber alles der Reihe nach.
Vom Startpunkt führte ein schmaler Pfad in den Regenwald. Unser Guide und ein bewaffneter Ranger waren per Funk mit den Guides verbunden, welche schon nachts aufgestiegen sind, um unserer Gorilla Gruppe zu folgen. Sie gaben die Richtung vor und navigierten uns in die richtige Richtung. Catherine unser Guide schlug mit dem großen Messer / Machete immer wieder Schneisen in das Gestrüpp damit wir passieren konnten. Immer wieder hielten wir kurz an und Sie gab uns Informationen zur Tier- und Pflanzenwelt im Regenwald. Die kurzen Pausen waren auch hervorragend damit wir wieder etwas Wasser zu uns nehmen konnten. Nach einer guten Stunde kamen erste Zweifel auf ob wir die Gorillas auch wirklich zu sehen bekommen. Die Gorilla Familie schien sich auf und ab zu bewegen. Doch Catherine hatte immer ein zuversichtliches und beruhigendes Lächeln für uns.
Bei den Gorillas im Wohnzimmer
Und dann war es endlich soweit.
Man hörte das erste Rascheln und durch die Blätter blitzte etwas Schwarzes durch. Die ganze Gruppe wurde angehalten und nun konnten wir uns noch schnell etwas stärken und unsere Kameras bereit machen. Der Rucksack kann getrost beim Träger verbleiben, der auf die Sachen Acht gibt. Sie alle warten nun und nur die Teilnehmer und der Ranger bewegen sich weiter.
Langsam wandern wir dem Rascheln entgegen. Und tatsächlich hier taucht der erste Gorilla auf. Gemütlich sitzt er und verspeist eine Grünpflanze. Die ersten Fotos werden gemacht. Unsere magische Stunde bei den Königen des Regenwaldes hat begonnen. Der Untergrund ist rutschig und man steigt auf Pflanzen umher. Und plötzlich geht es schnell. Rings um uns herum tauchen die Gorillas auf. Eine Mutter mit einen kleinen Gorilla Baby am Rücken hält 1 m vor uns an und richtet sich auf. Hinter mir schwingt sich ein junger Gorilla von einem Ast herunter. Mitunter wusste ich gar nicht mehr wohin man schauen sollte. Zu Beginn habe ich glaub ich nur mit dem Sucher im Anschlag ein Foto nach dem anderen gemacht. Aber nach einigen Minuten beginnt man zu genießen.
Ein Blick in die Augen dieser majestätischen Tiere lässt mich Gänsehaut verspüren.
Die Gruppe bewegt sich bergab und so müssen auch wir unseren Standort mehrmals wechseln. Und dann tauchte plötzlich der Silberrücken vor uns auf. Bei mir stellt sich eine große Ehrfurcht vor diesem mächtigen Geschöpf ein. Man merkt sofort wer hier der Boss der Gruppe ist. Er duldet uns als stille Besucher in seinem Zu Hause. Normalerweise ist man rund 7 Meter von den Gorillas entfernt. Die wurde uns zumindest von unserem Guide so erzählt. Die Wirklichkeit liegt allerdings ganz anders. Die Abstände variieren und manchmal beträgt der Abstand weniger als 1 Meter. Catherine erklärte uns noch, wenn sich ein Gorilla nähert solle man eine gekrümmte Position einnehmen und zum Boden blicken, damit der Gorilla weiß, dass man keine Bedrohung ist.
Eine ganz wichtige Regel ist, dass man vor allem dem Silberrücken NICHT direkt in die Augen sehen darf!!
Dies wird von dem Tier als direkte Herausforderung seiner Dominanz und als Aggression gewertet.
Die Stunde ist fast um und nun erfahren auch wir, dass es an der Zeit ist zu gehen. Der Silberrücken beginnt unruhig zu werden und fällt vor unseren Augen einen jungen Baum. Mit seinem ganzen Gewicht hängt er sich an dem Baum auf, bis dieser nachgibt und bricht. Es war an der Zeit uns vom „Wohnzimmer“ der Gorillas zurück zu ziehen. Diese magische Stunde ist wahnsinnig schnell vergangen und es kam mir nur wie wenige Minuten vor.
Langsam wandern wir zurück, wo ich wieder auf George meinen Träger getroffen bin.
Ein Gefühl der Zufriedenheit, des Erfolges und des Respektes begleitet mich auf meinem Rückweg.
Glücklich kommen wir nach 1,5 Stunden Rückwanderung wieder am Ausgangspunkt an. Dankbar gab ich George die 20 USD und noch etwas Trinkgeld. Der freundliche junge Mann bedankte sich dreimal bevor er sich verabschiedete.
Das Gorilla Zertifikat
Noch einmal trifft sich die Gruppe. Die ersten Erlebnisse werden ausgetauscht und Catherine unser Guide weist uns noch einmal auf die Wichtigkeit des Schutzes der Berggorillas hin. Dann wird jeder Teilnehmer noch einmal aufgerufen und erhält sein Zertifikat, dass Gorilla Trekking erfolgreich absolviert zu haben. Man ist jetzt sozusagen ein Botschafter für den Erhalt der Gorillas, als unverzichtbare Art auf unserer Erde. Zum Schluss legt die Gruppe noch für ein Trinkgeld für unseren Guide im Feld zusammen und auch für die Ranger welche schon zuvor die Gruppe für uns aufgespürt haben.
Anschließend geht es dann wieder zurück zu unserer Unterkunft wo wir alle die Erlebnisse dieses Tages bei einem guten Essen und einem Glas Wein noch einmal Revue passieren lassen.
Die Dauer des Gorilla Trekking hängt davon ab, welche Familie besucht wird und wie schnell man zu dieser wandert. Ab dem Zeitpunkt, wo die Gorillas entdeckt werden, läuft die 1 Stunde.
Gorilla Trecking Kosten – Was sind die Kosten für die Gorilla Permits
Ja es ist nicht günstig – aber es war jeden Cent / Euro oder Dollar wert. In Uganda betragen die Kosten derzeit rund 800 USD. Für die Gorilla Habituierung rund 1500 USD.
In Ruanda wiederum ist das Permit mit 1500 USD am Teuersten. Zu vergessen ist natürlich aber auch nicht, dass man noch den Transport und die Übernachtungen in der Unterkunft benötigt.
Mindestlater Gorilla Trekking – Uganda und Ruanda
Um die Gorillas besuchen zu dürfen beträgt das Mindestalter in Uganda 15 Jahre und in Ruanda 16 Jahre. Ausnahmefälle sind teilweise in Uganda möglich, wenn man mit den Eltern unterwegs ist. Das Mindestalter für einen Gorillabesuch ist aus Sicherheitsgrüngen notwendig.
Gorilla Habituierung:
Etwas anders läuft die Gorilla Habituierung ab. Hier ist man nicht nur 1 Stunde bei den Gorillas zu Besuch, sondern etwa 4 Stunden. Man wandert hier zu einer Gruppe welche noch nicht an den Menschen gewohnt ist und hilft so mit, diese für den „sanften“ Tourismus vorzubereiten. Meist sind die Gruppen tiefer im Regenwald und so ist hier entsprechende Fitness gefordert. Belohnt wird man aber mit Primaten welche, noch ganz ursprünglich in Ihrer Art sind und man kann wesentlich mehr Zeit bei den Gorillas verbringen.
Die Kosten sind hier allerdings auch recht beachtlich. Kostet ein Permit dafür 1500 USD. Die Gruppengröße der Teilnehmer ist zumeist auf nur wenige Teilnehmer beschränkt. Der Besuch bei den Gorillas ist auf etwa 4 Stunden festgelegt.
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